Das aktuelle Blitzlicht

Gunter Steidinger

Ähnlich wie das Blitzlicht eines Fotoapparates die Szene vor der Linse besonders hell ausleuchtet, betrachte ich in meinen Blitzlichtern aktuelle Geschehnisse in Wirtschaft und Gesellschaft, und beleuchte sie unter Aspekten von Strategie- und Komplexitätslehre. Es handelt sich dabei um meinen persönlichen Blickwinkel auf das jeweilige Thema, der sich nicht zwangsläufig mit dem Ihren decken muss. Betrachten Sie den Text in diesem Falle einfach als provokativen Denkanstoss - denn so ist er gedacht.

Es ist komisch: Bei Begriffen wie Arbeitsmethoden, Arbeitstechnik oder Management-Handwerk winken viele Menschen ab, interessieren sich nicht dafür. Warum? Vielleicht liegt es an der Wortwahl, weil »Arbeit« drinsteckt. Oder weil man das Erfordernis von Training, Übung dahinter vermutet.

Jedoch: Wenn Sie einen Moment innehalten und Ihren Tagesablauf betrachten, was Sie tun und - vor allem -  wie Sie es tun, werden Sie feststellen, dass vieles, vielleicht das meiste ziemlich routiniert abläuft, ohne dass Sie bewusst darüber nachdenken müssen. Wenn Sie vom Sport verschwitzt oder von der Gartenarbeit verschmutzt nach Hause kommen und wieder sauber werden wollen, ist »Waschen« eine zielführende Methode (das richtige tun = effektiv). Dazu können Sie zwischen verschiedenen Techniken und Instrumenten wählen: Sie können in einem See baden, zu Hause duschen, in die Badewanne sitzen oder sich am Handwaschbecken waschen - kalt oder warm. Natürlich werden Sie die gewählte Technik richtig durchführen (das richtige gut tun = effizient). Also erst nass machen, dann einseifen, abspülen, und zu guter Letzt abtrocknen. Beispiel Zähneputzen: Niemals kämen Sie auf die Idee, zuerst die Zähne mit der Zahnbürste abzubürsten, dann erst die Zahnpasta auf die Zahnbürste auftragen und sie dann aber sofort wieder unter dem Wasserhahn abspülen.

»Selbstverständlich« ist das nicht, sondern antrainiert, geübt. Irgendwann in Ihrer frühen Kindheit haben Ihre Eltern Ihnen die Technik der Zahnreinigung bzw. der Körperwäsche beigebracht. Sie haben es daraufhin solange geübt, bis der Ablauf automatisiert wurde und Sie ohne Nach-Denken das richtige tun.

Jetzt denken Sie vielleicht: Wie blöd ist das denn, was hat das mit Strategie zu tun?
Nun, es ist gar nicht blöd. Denn in Unternehmen ist es oft eine bittere Realität bei Entscheidungsfragen ganz anders, nämlich »ungelernt« vorzugehen. Tag für Tag werden in Unternehmen, Organisationen und Verwaltungseinheiten wichtige Entscheidungen ohne Systematik getroffen. Wahlweise wird in bester John Wayne-Manier aus der Hüfte geschossen oder die Entscheidungsfaktoren in stundenlangen Meetings zerredet.

Gibt es in Ihrem Unternehmen eine verpflichtende Methodik, die als Grundlage bei Entscheidungen zu nutzen ist? Werden Entscheidungen so dokumentiert, dass man später nochmals nachvollziehen kann, warum und wie die Entscheidung gefällt wurde? Wie werden bei Ihnen Ziele definiert? Als Wünsche freihändig formuliert, oder aufgrund ärgerlicher IST-Daten? Oder werden sie korrekt und methodisch von den - zuvor präzisierten -  Unternehmens-, Bereichs-, Abteilungs- oder Stellen-Funktionen abgeleitet?

Denn darum geht es: Letzten Endes führen auch Manager, Führungskräfte, Unternehmer und Selbständige in gewisser Weise ein Handwerk aus. Dafür benötigen sie ein adäquates Handwerkszeug, mit dem ihre Aufgaben gut ausführen und die richtigen Funktionen wahrnehmen können. Methoden und Arbeitstechniken stellen dieses Handwerkszeug dar. Sie können den beruflichen und privaten Alltag erleichtern, helfen Energien /Kräfte gezielt einzusetzen und zu sparen.

So wie Sie dereinst das Zähneputzen erlernt und durch stete Wiederholung perfektioniert haben, so können und sollten Sie auch die für Ihren Beruf relevanten Methoden und Techniken durch Training derart perfektionieren, dass sie Ihnen »in Fleisch und Blut übergehen« “, dass sie automatisch in der richtigen Reihenfolge ablaufen.

Was das mit Strategie zu tun hat? Nun, Methoden und Arbeitstechniken können uns helfen Managementaufgaben zu systematisieren und zu automatisieren. Eine »Strategie« wiederum ist die Art und Weise, wie jemand mit seinen Energien (Kräften, Ressourcen) umgeht. Wofür und wie er seine Energie einsetzt! Je weniger er davon hat, desto gebündelter und gezielter muss er sie dabei einsetzen. In diesem Sinn sind Methoden und Arbeitstechniken strategisch relevant. Denn systematisiert und automatisiert ermöglichen sie es, mit minimalem Energieaufwand wesentliche Managementaufgaben zu erfüllen.

Wir alle wussten es, haben geahnt, dass es nicht endlos so weitergehen konnte:

  • das Wachstumsparadigma angesichts begrenzter Ressourcen,
  • das dramatische Artensterben bei Pflanzen und Tieren, vor allem den Kleinlebewesen, die für unsere gesunde Ernährung so wichtig sind,
  • die Erderwärmung und Ausbeutung der Natur, 'Klimawandel' genannt,
  • das exponenzielle Wachstum der Erdbevölkerung,
  • die Verdrängung der Natur durch uns Menschen,
  • der ungebremste Flächenverbrauch,
  • die Verschmutzung der Weltmeere durch unseren Wohlstandsmüll,
  • die weltweite Überproduktion bei gleichzeitiger Verarmung ganzer Nationen,
  • die Zunahme des Luftverkehrs,
  • die Belastung der Menschen bei uns, Stichwort 'Burn Out',

Wie gesagt: Wir ahnten, dass es so nicht weitergehen könne! Aber nur wenige Mutige trauten sich, die unangenehmen Wahrheiten auszusprechen: Vester, Dörner, Malik, Obama, Mandela, von Weizsäcker… Doch sie wurden entweder nicht gehört oder mundtot gelächelt. Und niemand hatte eine Lösung für die wichtigen Probleme, ohne sofort Interessengruppen und Lobbies gegen sich aufzubringen, weil niemand wirklich zu Verzicht und grundlegender Verhaltensänderung bereit war.
Jetzt sorgt ein mikroskopisch kleines Virus dafür, dass wir zum Wandel gezwungen werden. Noch sind nur Minderheiten zu grundlegender Verhaltensänderung bereit. Und solange die Mehrheit nicht bereit ist, wird das Virus weiter wüten und Verwandtschaft produzieren.

Was ich nicht verstehe: Warum wünschen sich so viele, dass es wieder zu werde wie vor Corona? Also wieder unbegrenztes Wachstum, Artensterben, Naturzerstörung, Vermüllung der Meere? Lieber selbst auf die Bäume steigen und Blüten mit Pinseln bestäuben als endlich aufzuhören mit dem lebensfeindlichen Pestiziden, Fungiziden und Pflanzengiften, die auch noch verdummenderweise 'Pflanzenschutzmittel' genannt werden?
Wann begreifen wir endlich, dass es keine 'Unkräuter' gibt, die wir bekämpfen müssten? Sondern nur Kräuter, die z.T. unsere Pläne = Wachstumsziele und unsere Wirtschaftlichkeit stören? Weil sie leben und sich entfalten wollen wie wir Menschen! Weil sie für unsere Ernährung unverzichtbar sind, wohingegen wir Menschen für die Natur durchaus verzichtbar wären!

Was wir Menschen und der herrliche Planet auf dem wir leben dürfen endlich brauchen, ist ein grundlegender Wandel unseres Wohlstandsdenkens und Anspruchsverhaltens zu Lasten anderer Lebewesen. Rücksicht auf die Ärmeren und Schwächeren, anstelle permanenter Wohlstandsmehrung zu Lasten derer, die schon benachteiligt genug sind.

Lassen Sie uns mutiger werden und tun, wovon wir wissen, dass es getan werden muss!
Wir brauchen neue, den Planenten und unsere Ressourcen schonende Lebensmodelle!
Eine andere Art des Wirtschaftens! Ökologie als 'die Lehre von der Logik wirtschaftlichen Verhaltens'.

Wozu sonst hat uns die Natur (Gott) einen Verstand gegeben?
Wir Menschen halten uns für intelligente Wesen.
Wie aber ist Intelligenz definiert? Das Wort stammt (so mein Lateinlehrer) aus dem Lateinischen und bedeutet: 'hinein sehen, in die Dinge sehen - Zusammenhänge erkennen und verstehen'.

Verhalten wir uns doch auch so!

Gunter Steidinger Unternehmensberatung / StrategieCentrum Schwarzwald-Bodensee

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