Ein Jahr danach

Oktober 2002 - in Köln feiert sich die Branche der Büroeinrichter auf der Orgatec-Messe mit aufwendigen Produktpräsentationen, demonstrativem Optimismus und einer Menge „attraktiver Innovationen". Kein Wort von Krise, kein Bezug zu den z.T. massiven Problemen der Kunden, die z.T. schon rigorose Investitionsstops beschliessen mussten. Alle Hersteller planen und verkünden Wachstumsziele, als ob es kein erfolgsbeeinflussendes Umfeld gäbe.

Heute, knapp 1 Jahr danach, hat die Wirklichkeit diese Branche eingeholt. Fast alle Hersteller klagen über massiven Schwund des Auftragseingangs, der sich bereits konkret in Umsatz und Ertrag auswirkt; der Handel beklagt die geringe Investitions- und Kaufbereitschaft auch der Stammkunden und stöhnt unter den Rabattforderungen der potentiellen Auftraggeber.

Und gemeinsam stellen sie fest, dass die auf der Orgatec so gefeierten „Innovationen" zwar ihnen selbst gefielen, aber weniger denen, für die sie erstellt wurden: den Kunden! Und dass so manche „Innovation" schlicht keine Innovation war, sondern bestenfalls eine Produktverbesserung. Die so selbstgelobte Kundenorientierung war oft keine, sondern eine Selbst-Täuschung, der zwangsläufig die Ent-Täuschung folgen musste.

Beide Marktteilnehmer - Hersteller und Handel - brauchen einen grundlegenden Wandel, wenn sie nicht nur überleben, sondern in der Branche eine Spitzenposition übernehmen wollen:

  • einen Wandel der Paradigmen, also der Leitideen, die das unternehmerische Denken und Entscheiden steuern
  • andere Instrumente: nicht ständig mehr und detailliertere Daten, sondern mehr Überblick und themenbezogene Informationen und Management-Instrumente, die genau diese liefern
  • andere Strategien mit
    • mehr und echter echte Kundenorientierung
    • nicht am Produkt kleben, sondern am Kundenbedarf
    • Gestaltungsvisionen zum Wandel der Arbeits- und Bürowelten konkreter Zielgruppen
    • bessere Definition und Abgrenzung von ansprechbaren Zielgruppen
      (Senioren, Chefs, Frauen, Singles, Ärzte, Steuerberater, Banken ....
      sind keine Zielgruppen)
    • neuen Paradigmen - Wachstum, shareholder value ...
      sind keine brauchbaren Leitideen mehr, sondern bestenfalls ausgediente Götzen

Gunter Steidinger Unternehmensberatung / StrategieCentrum Schwarzwald-Bodensee

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