Zur Lage der Wirtschaft oder: Wir brauchen einen Paradigmenwechsel!

Kennen Sie das?: Jedes Jahr mehr Daten und Zahlen, aber der Überblick ist weg! Scheinbar höchste Genauigkeit, auf zwei Stellen hinter dem Komma berechnet, der Irrtum liegt dann im sechsstelligen Bereich (vor dem Komma)! Die Dinge geraten außer Kontrolle, man fühlt sich eher als Passagier denn als Steuermann.

Aber: Hat man nicht ausgefuchste Controllingsysteme in den Unternehmen aufgebaut? Eigentlich weiß man doch genau, was jeder Handgriff im Unternehmen kostet, man schreibt sich fleißig gegenseitig virtuelle Rechnungen und beschäftigt viele Leute mit der internen Verrechnung. Wie kann es also zu so katastrophalen Ergebnissen kommen?

Die doktrinären Mainstreams der Managementgurus der letzten Jahre erweisen sich jetzt zunehmend als unbrauchbar, zum Teil sogar als gefährlich falsch. Ein Blick in den Wirtschaftsteil der Tageszeitungen und Magazine genügt, um zu sehen, in welchem Zustand weite Bereiche der Wirtschaft sich derzeit befinden. Es herrscht Ratlosigkeit, gefährlicher Orientierungsverlust, man(ager) steckt in einer Sackgasse. Aber nicht zufällig, sondern als Folge der Management-Mainstreams der 90er Jahre. Wesentlich verursacht und profitabel ausgenutzt von Beratungsgesellschaften, von denen manche praktischerweise die von ihnen beratenen Unternehmen auch gleich prüften. Irritierend ist aber doch, dass genau die Berater, die sich die Mainstreams zunutze machten, jetzt auch wieder diejenigen sind, die am lautesten nach Veränderung rufen.

Und wo bleibt die Stimme der Wissenschaft?

In früheren Jahrzehnten konnte man sich darauf verlassen, dass Universitäten auch zu aktuellen Trends und Themen Stellung bezogen. Mal positiv unterstützend, mal kritisch abwehrend. In der aktuellen Lage aber fehlt die Stimme der Wirtschaftswissenschaftler. Welcher Professor ist zu hören oder zu lesen mit Argumenten, zum Beispiel gegen das werte- und arbeitsvernichtende, totalitäre Diktat der Shareholdervalue-Orientierung der größeren und großen Aktiengesellschaften, die sich mittlerweile durch Basel II und Ratingvorgaben in gleich verheerender Weise im Mittelstand auswirkt!

Von Managern wird erwartet, dass sie nicht nur planen, sondern steuern, und zwar in Richtung Erfolg. Doch wer kennt die wesentlichen Einflussgrößen, ihre Vernetzung, die Wirkungszusammenhänge und die Logiken, denen sie folgen? In vielen Unternehmen verfährt man zur Zeit nach dem Grundsatz "Und als wir erkannten, dass wir erfolglos waren, verdoppelten wir unsere Anstrengungen!"

Eine todsichere Strategie. Wer wirklich raus will aus dem Dilemma, braucht andere Denkweisen, einen Wechsel der Paradigmen, andere Vorgehensweisen, andere Navigation. Vernetztes Denken und ganzheitliches Managen sind die Stichworte, Methoden und Techniken des Komplexitätsmanagements (z.B. Netzwerksimulation) das lernbare Know-how.

Die Verquickung von Wissenschaft, Consulting und Prüfung ist meines Erachtens eine wesentliche Ursache der miserablen Lage weiter Teile der Wirtschaft.

Gunter Steidinger Unternehmensberatung / StrategieCentrum Schwarzwald-Bodensee

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