Wir sind Export-Weltmeister! Wie gern schmücken sich Spitzenpolitiker und Manager mit dieser Gold-Medaille. Oft halten sie den schwächeren Ländern vor, dass deren Wirtschaft weniger Wachstum generiert. Nur wenige sehen die andere Seite dieser Medaille: Dass wir anderen Ländern mögliche Produktion wegnehmen. War es nicht die europäische Landwirtschaft, die mit Überproduktion und Dumpingpreisen die kleinbäuerlichen Existenzen in Afrika und Teilen Südamerikas und Asiens zerstört hat? Als Folge erleben wir Hungerkatastrophen in rohstoffreichen Ländern Afrikas und subventionieren mit Millionenaufwand den Transport industrieller Nahrungsmittel in diese Länder.

Industrielles Milchpulver statt gesunder Muttermilch  - was für ein Hohn!

Jetzt kommt es noch toller: Wie gern geben sich Politiker aller Parteien und Spitzenmanager der großen Branchen (Automobil, Nahrung, Energie, Wasser, Landwirtschaft) bei Interviews und Tagungen als große, vorbildliche Umweltschützer.

Die Südwestpresse berichtet in ihrer Ausgabe vom 23.6.2017: "Der Absatz von Pestiziden ist in Deutschland auf den höchsten Stand seit 2009 gestiegen. .. 2015 belief sich der Absatz an Wirkstoffen für Pflanzenschutzmittel demnach auf rund 35.000 Tonnen, etwa 5000 Tonnen mehr als 2009. Insgesamt wurden 2015 gut 100.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel verkauft."

Welch grandiose Leistung: 17% Wachstum!

Dies ist keine Meldung irgendeiner radikalen Umweltgruppe, sondern die offizielle Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage einer Bundestagsfraktion.

»Pflanzenschutzmittel«  - welche Beschönigung der Tatsache, dass durch diese Mittel ganze Pflanzen- und Tierpopulationen vernichtet werden.  UNO, EU und viele Umweltverbände warnen wie auch die meisten Parteien öffentlich vor dem sich beschleunigenden Artensterben bei Pflanzen und Tieren. Aber nach wie vor entsorgen die meisten landwirtschaftlichen Betriebe die Fäkalien ihrer Massentierproduktion über ihre Felder. Die Wiesen sind überfettet, Vögel und Insekten finden keine Nahrung. Wo sind die Blumenwiesen, die Insekten und Vögel ernähren?

Alle Welt weiß vom Bienensterben, vom rasanten Rückgang der Singvögel und bestäubenden Insekten auf unseren Feldern und Gärten. Und dennoch macht man weiter wie bisher. Bienen haben keine Lobby in Berlin oder Brüssel, geschweige denn die Kleinlebewesen, die unsere Böden reinigen und für Pflanzen aufbereiten. Klar, es gibt überall private Initiativen und NGOs, die sich darum kümmern, und immer mehr Kleinbauern stellen um auf streng naturnahen Anbau. Aber es braucht mehr, wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens, der umweltzerstörende Verhaltensweisen öffentlich anprangert und die wirklich Schuldigen zur Rechenschaft zieht.

Hoffnung?

Habe ich nicht mehr. Wie auch sollte eine Nation, die sich kaum wegen der Tatsache erregt, dass Dieselmotoren bewusst umweltverschmutzend manipuliert werden, sich aufregen, wenn »ein paar Würmer im Boden oder ein paar Bienenvölker sterben«? Wen die laut offiziellen Statistiken mehr als 15.000 Feinstaubtoten p.a. nicht stören und zu einer Konsumänderungen bewegen, der wird kaum wegen der paar Pflanzen und Tiere dazu bereit sein. Weiter wie bisher.

Es ist zum Verzweifeln.

Die UNO meldet, dass derzeit mehr Menschen weltweit vor Krieg und Konflikten auf der Flucht sind als je zuvor. Das beklagen auch Politiker und Manager weltweit. Aber sind wir nicht indirekt Profiteure dieser Konflikte und Kriege? Liefert die deutsche Industrie nicht so viel Waffen und Munition in alle Welt, dass »wir« zu den fünf umsatzstärksten Export-Nationen zählen?

Wachstum und Wohlstand aufgebaut auf dem Leid anderer Menschen und Nationen. Ist das wirklich ein Grund, stolz auf unser Wachstum zu sein? Ich lebe gern in diesem Land, fühle mich als Europäer deutscher Geburt. Aber wegen der o.a. Aspekte schäme ich mich für unser Land. Wo ist die reale Anwendung der Werte, von denen Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bei Interviews und Talkshows so gern sprechen?

Bitte verzeihen Sie mir meine Ehrlichkeit.

Am 21. April 2017 kam mir die Ehre zuteil, den Ehrenpreis 2017 des Bundesverbands StrategieForum e.V. für mein Lebenswerk entgegenzunehmen.

Statt selbst viele Worte zu verlieren zitiere ich an dieser Stelle lieber die Laudatio und bedanke mich beim Bundesverband StrategieForum e.V. für diese besondere Auszeichnung:

Gunter Steidinger ist ein kritischer Geist, mit hohen analytischen Fähigkeiten, einer herausragenden Methodenkompetenz und einem gerüttelt Maß an trockenem bisweilen schwarzen Humor. Er agiert authentisch, unbestechlich und ganz sicher fernab des Mainstreams. Trotz der Komplexität unserer Zeit lautet sein Spruch: "1 Stift, 3 Blatt Papier... Mehr brauchen Sie nicht!" Methoden und Arbeitstechniken sind strategisch relevant und Gunter Steidinger hat hier eine Menge geleistet. Viele Jahre hat er dem Bundesverband StrategieForum nicht nur die Treue gehalten, er hat als Regionalleiter gewirkt, er hat unseren Verband immer wieder pragmatisch durch seine Workshops und Methodenkompetenz praxisnah unterstützt. Unsere Mitglieder profitierten insbesondere durch seine Methodik der Zielgruppenbestimmung mithilfe des morphologischen Kastens.

Gunter Steidinger mit Präsidiumsmitgliedern Thorsten Hinrichs (li.) und Georg Rohde (re.)
Gunter Steidinger mit Präsidiumsmitgliedern Thorsten Hinrichs (li.) und Georg Rohde (re.)

Es ist komisch: Bei Begriffen wie Arbeitsmethoden, Arbeitstechnik oder Management-Handwerk winken viele Menschen ab, interessieren sich nicht dafür. Warum? Vielleicht liegt es an der Wortwahl, weil »Arbeit« drinsteckt. Oder weil man das Erfordernis von Training, Übung dahinter vermutet.

Jedoch: Wenn Sie einen Moment innehalten und Ihren Tagesablauf betrachten, was Sie tun und - vor allem -  wie Sie es tun, werden Sie feststellen, dass vieles, vielleicht das meiste ziemlich routiniert abläuft, ohne dass Sie bewusst darüber nachdenken müssen. Wenn Sie vom Sport verschwitzt oder von der Gartenarbeit verschmutzt nach Hause kommen und wieder sauber werden wollen, ist »Waschen« eine zielführende Methode (das richtige tun = effektiv). Dazu können Sie zwischen verschiedenen Techniken und Instrumenten wählen: Sie können in einem See baden, zu Hause duschen, in die Badewanne sitzen oder sich am Handwaschbecken waschen - kalt oder warm. Natürlich werden Sie die gewählte Technik richtig durchführen (das richtige gut tun = effizient). Also erst nass machen, dann einseifen, abspülen, und zu guter Letzt abtrocknen. Beispiel Zähneputzen: Niemals kämen Sie auf die Idee, zuerst die Zähne mit der Zahnbürste abzubürsten, dann erst die Zahnpasta auf die Zahnbürste auftragen und sie dann aber sofort wieder unter dem Wasserhahn abspülen.

»Selbstverständlich« ist das nicht, sondern antrainiert, geübt. Irgendwann in Ihrer frühen Kindheit haben Ihre Eltern Ihnen die Technik der Zahnreinigung bzw. der Körperwäsche beigebracht. Sie haben es daraufhin solange geübt, bis der Ablauf automatisiert wurde und Sie ohne Nach-Denken das richtige tun.

Jetzt denken Sie vielleicht: Wie blöd ist das denn, was hat das mit Strategie zu tun?
Nun, es ist gar nicht blöd. Denn in Unternehmen ist es oft eine bittere Realität bei Entscheidungsfragen ganz anders, nämlich »ungelernt« vorzugehen. Tag für Tag werden in Unternehmen, Organisationen und Verwaltungseinheiten wichtige Entscheidungen ohne Systematik getroffen. Wahlweise wird in bester John Wayne-Manier aus der Hüfte geschossen oder die Entscheidungsfaktoren in stundenlangen Meetings zerredet.

Gibt es in Ihrem Unternehmen eine verpflichtende Methodik, die als Grundlage bei Entscheidungen zu nutzen ist? Werden Entscheidungen so dokumentiert, dass man später nochmals nachvollziehen kann, warum und wie die Entscheidung gefällt wurde? Wie werden bei Ihnen Ziele definiert? Als Wünsche freihändig formuliert, oder aufgrund ärgerlicher IST-Daten? Oder werden sie korrekt und methodisch von den - zuvor präzisierten -  Unternehmens-, Bereichs-, Abteilungs- oder Stellen-Funktionen abgeleitet?

Denn darum geht es: Letzten Endes führen auch Manager, Führungskräfte, Unternehmer und Selbständige in gewisser Weise ein Handwerk aus. Dafür benötigen sie ein adäquates Handwerkszeug, mit dem ihre Aufgaben gut ausführen und die richtigen Funktionen wahrnehmen können. Methoden und Arbeitstechniken stellen dieses Handwerkszeug dar. Sie können den beruflichen und privaten Alltag erleichtern, helfen Energien /Kräfte gezielt einzusetzen und zu sparen.

So wie Sie dereinst das Zähneputzen erlernt und durch stete Wiederholung perfektioniert haben, so können und sollten Sie auch die für Ihren Beruf relevanten Methoden und Techniken durch Training derart perfektionieren, dass sie Ihnen »in Fleisch und Blut übergehen« “, dass sie automatisch in der richtigen Reihenfolge ablaufen.

Was das mit Strategie zu tun hat? Nun, Methoden und Arbeitstechniken können uns helfen Managementaufgaben zu systematisieren und zu automatisieren. Eine »Strategie« wiederum ist die Art und Weise, wie jemand mit seinen Energien (Kräften, Ressourcen) umgeht. Wofür und wie er seine Energie einsetzt! Je weniger er davon hat, desto gebündelter und gezielter muss er sie dabei einsetzen. In diesem Sinn sind Methoden und Arbeitstechniken strategisch relevant. Denn systematisiert und automatisiert ermöglichen sie es, mit minimalem Energieaufwand wesentliche Managementaufgaben zu erfüllen.

Tags: Blitzlicht Unternehmensberatung

Kennen Sie das?: Jedes Jahr mehr Daten und Zahlen, aber der Überblick ist weg! Scheinbar höchste Genauigkeit, auf 2 Stellen hinter dem Komma berechnet, der Irrtum liegt dann im 6-stelligen Bereich (vor dem Komma)!. Die Dinge geraten außer Kontrolle, man fühlt sich eher als Passagier denn als Steuermann.

Aber: Hat man nicht ausgefuchste Controlling-Systeme in den Unternehmen aufgebaut? Eigentlich weiß man doch genau, was jeder Handgriff im Unternehmen kostet, man schreibt sich fleissig gegenseitig virtuelle Rechnungen und beschäftigt viele Leute mit der internen Verrechnung. Wie kann es also zu so katastrophalen Ergebnissen kommen?

Die doktrinären Mainstreams der Management-Gurus der letzten Jahre erweisen sich jetzt zunehmend als unbrauchbar, z.T. sogar als gefährlich falsch. Ein Blick in den Wirtschaftsteil der Tageszeitungen und Magazine genügt, um zu sehen, in welchem Zustand weite Bereiche der Wirtschaft sich derzeit befinden. Es herrscht Ratlosigkeit, gefährlicher Orientierungsverlust, man(-ager) steckt in einer Sackgasse. Aber nicht zufällig, sondern als Folge der Management-Mainstreams der 90-er Jahre. Wesentlich verursacht und profitabel ausgenutzt von Beratungsgesellschaften, von denen manche praktischerweise die von ihnen beratenen Unternehmen auch gleich prüften. Irritierend ist aber doch, dass genau die Berater, die sich die Mainstreams zu nutze machten, jetzt auch wieder diejenigen sind, die am lautesten nach Veränderung rufen.

Und wo bleibt die Stimme der Wissenschaft?

In früheren Jahrzehnten konnte man sich darauf verlassen, dass Universitäten auch zu aktuellen Trends und Themen Stellung bezogen; mal positiv unterstützend, mal kritisch abwehrend. In der aktuellen Lage aber fehlt die Stimme der Wirtschaftswissenschaftler. Welche Professor ist zu hören oder zu lesen mit Argumenten, z.B. gegen das werte- und arbeitsvernichtende, totalitäre Diktat der Shareholdervalue-Orientierung der größeren und großen Aktiengesellschaften, die sich mittlerweile durch Basel II und Ratingvorgaben in gleich verheerender Weise im Mittelstand auswirkt!

Von Managern wird erwartet, dass sie nicht nur planen, sondern steuern, und zwar in Richtung Erfolg. Doch wer kennt die wesentlichen Einflussgrößen, ihre Vernetzung, die Wirkungszusammenhänge und die Logiken, denen sie folgen? In vielen Unternehmen verfährt man zur Zeit nach dem Grundsatz "Und als wir erkannten, dass wir erfolglos waren, verdoppelten wir unsere Anstrengungen!"

Eine todsichere Strategie. Wer wirklich raus will aus dem Dilemma, braucht andere Denkweisen, einen Wechsel der Paradigmen, andere Vorgehensweisen, andere Navigation. Vernetztes Denken und ganzheitliches Managen sind die Stichworte, Methoden und Techniken des Komplexitäts-Managements (z.B. Netzwerksimulation) das lernbare Know-How. Die Verquickung von Wissenschaft, Consulting und Prüfung ist m.E. eine wesentliche Ursache der miserablen Lage weiter Teile der Wirtschaft. Schreiben Sie mir Ihre Meinung dazu.

Fortune Magazine beurteilt jährlich die Most Admired Companies nach folgenden Kriterien:

  • Innovationskraft
  • Managementqualität
  • Human Ressources Potential / Talent
  • Produkt- und Servicequalität
  • langfristiger Investitionswert
  • finanzielle Stabilität
  • soziale Verantwortlichkeit
  • Verwendungszweck des Firmenkapitals

Ernst & Young untersuchten die Investitionsentscheidungen von Finanzanalysten und Portfoliomanagern. Danach orientierten sie sich zu 35% an folgenden nicht-finanziellen Informationen:

  • Umsetzung der Unternehmensstrategie
  • Glaubwürdigkeit des Managements
  • Qualität der Unternehmensstrategie
  • Innovation
  • Fähigkeit, Mitarbeiter mit Potential zu gewinnen und zu halten
  • Marktanteil
  • Managementexpertise
  • Bezahlungssysteme, abgestimmt auf Shareholderinteressen
  • Leadership in der Forschung
  • Qualität wesentlicher Geschäftsprozesse

Quelle: Becker, Huselid, Ulrich „The HR Scorecard", HBS Press, Boston 2001

Gunter Steidinger Unternehmensberatung / StrategieCentrum Schwarzwald-Bodensee

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